Ausgeweitete gigaliner-strecken sorgen für zündstoff

22-10-2015

Der Streit um die Einführung von sogenannten “Gigalinern” oder „Euro LKWs“ auf Deutschlands Straßen setzt sich auch im neuen Jahr fort. Die im Vergleich zu normalen Lkws bis zu 6.50 Meter längeren und 20 Tonnen schwerere Fahrzeuge sind in einigen europäischen Ländern bereits erlaubt, in Deutschland aber bislang erst in der Testphase.

Selbige läuft seit Anfang 2012 und wurde im September vergangenen Jahres ausgeweitet. Seither dürfen die Riesen-Lkw auf zusätzlichen 120 Straßenabschnitten getestet werden. Damit finden die Testfahrten nun auf mehr als 10.000 Kilometern deutscher Straßen statt. Das bedeutet, dass sie auf etwa der Hälfte des deutschen Autobahnnetzes zugelassen sind, ließ das Bundesverkehrsministerium verlauten. Neun Bundesländer beteiligen sich an den Tests, sieben davon voll (Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen), Bremen und Mecklenburg-Vorpommern teilweise.

In dem von CSU-Politiker Alexander Dobrindt geleiteten Ministerium steht man den Gigalinern sowieso positiv gegenüber. Dobrindt sagte schon im vorigen Sommer auf der IAA in Hannover klipp und klar: “Wir brauchen die Lang-Lkws auf unseren Straßen”. Dass er hierfür auch die nötigen Bedingungen schaffen will, hat er durch den Ausbau der Testfahrten nun bewiesen.

Die Initiative stößt weiterhin von vielen Seiten auf Kritik. Die Referentin für Verkehrspolitik des Bundesverbands Verkehrsclub Deutschland (VCD), Heidi Tischmann, hält die ausgeweiteten Versuchsfahrten für einen Trick zur schleichenden Einführung der Groß-Lkw: “Das Verkehrsministerium versucht jetzt durch die Hintertür, die in der Bevölkerung und den Bundesländern unerwünschten Gigaliner zu etablieren”, sagte sie auf Spiegel Online.

Innerhalb Deutschlands ist Baden-Württemberg einer der heißesten Brennpunkte der politischen Debatte rund um die Gigaliner. Die grün-rote Landesregierung hatte vor dem Bundesverfassungsgericht bereits Klage gegen die Feldversuche eingereicht, die aber im Mai vergangenen Jahres abgewiesen wurde. Nun wendete sich kurz vor dem Jahreswechsel Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), via Stuttgarter Nachrichten direkt kritisch an die Landesregierung in Stuttgart: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn die baden-württembergische Landesregierung ihre immer beteuerte Wirtschaftsfreundlichkeit auch einmal bei einem konkreten Projekt wie der Anfrage von Daimler für Ausnahmegenehmigungen für Lang-Lkw beweisen würde.“

Die deutsche Bevölkerung indes scheint der Einführung der Gigaliner weiterhin kritisch gegenüber zu stehen. In einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die im Auftrag der Allianz Pro Schiene und des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen durchgeführt wurde, sprachen sich 79 Prozent aller Befragten gegen die Gigaliner aus.