Welche zukunft haben turbokreisverkehre in Deutschland?

04-12-2015

So jung das Konzept des Turbokreisverkehrs auch ist, beim deutschen Nachbarn, den Niederlanden, hat sich die Alternative zum zweispurigen, befahrbaren Kreisverkehr schon fest durchgesetzt. Die ersten “Turborotonden” gab es in den Niederlanden schon 2006, nachdem sie an der Technischen Universität Delft eine Dekade zuvor erdacht und erprobt worden waren. Anfang 2015 nun gab es in den Niederlanden schon mehr als 250 aktive Turbo-Kreisel.

Auch in anderen Ländern sind sie auf dem Vormarsch. Bei den Nachbarn Belgien, Dänemark, Frankreich und Polen zum Beispiel haben die Turbo-Kreisel bereits Einzug erhalten. In Spanien sind sie schon in mittelgroßer Zahl im Einsatz, wie auch in den Vereinigen Staaten.

 

DEUTSCHLAND: DER ANFANG IST GEMACHT

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Hierzulande gibt es eine kleine, aber stetig wachsende Anzahl von Turbokreisverkehren. Im Januar 2014 waren ein gutes Dutzend Turbokreisverkehre in der Bundesrepublik in Betrieb. Große Kreisel finden sich zum Beispiel in Baden-Baden, Offenburg, Blieskastel und Cottbus. Eine Ausweitung über ganz Deutschland ist aber noch nicht erfolgt. Was können deutsche Verkehrsplaner von den Vorreitern aus den Niederlanden lernen, wo sich das Konzept zweifelsohne durchgesetzt hat? Ein wichtiger Punkt, an dem man sich in Deutschland an

den Erfahrungen des Nachbarn orientieren kann, betrifft die Positionierung der Kreisverkehre. Gut 70 Prozent der Turbo-Kreisel in Holland befinden sich außerorts, die meisten der verbleibenden 30 Prozent befinden sich im Übergangsbereich zwischen Innenstadt und Land.Die deutsche Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) schließt sich dieser Praxis an. Aus Sicherheitsgründen sei der Turbokreisel idealerweise dann anzuwenden, “wenn nur wenig Fuß- und Radverkehr vorhanden ist oder dieser planfrei geführt werden kann”, heißt es dazu bei der FGSV – also am besten außerorts. Der Schutz von Fußgängern und Radfahrern wurde zum Beispiel beim Turbokreisel in Baden-Baden elegant gelöst, indem extra eine Brücke für erstere gebaut wurde.

Turbokreisel in Baden-Baden

 

AUSSERORTS SEHR EFFIZIENT UND SICHER

In den Zonen außerhalb der Innenstadt, haben sich die Turbo-Kreisel auch in Deutschland schon als sehr leistungsfähig und sicher erwiesen. Die Grundunfallkostenrate beträgt hier nur 6 bis 8 Euro pro 1.000 Fahrzeuge und ist damit “vermutlich günstiger als alle Alternativen”, so Dr.-Ing. Wolfgang Haller der SHP Ingenieure, der sich in seiner Forschung umfassend mit den Turbo-Kreiseln und ihrem Potenzial in Deutschland beschäftigt hat.

Dank der “starken Kanalisierung der Verkehrsströme”, die vor allem durch die Vorsortierung der Fahrzeuge beim Eintritt in den Kreisverkehr und die Unmöglichkeit von Spurenwechseln innerhalb des Kreisverkehrs zu Stande kommt, so Haller, sinkt das Unfallrisiko in den Turbo-Kreiseln.

Turbokreisel in Offenburg

Hinsichtlich der Leistungsstärke der Turbo-Kreisverkehre hält Haller fest, dass die durchschnittliche Kapazität der existierenden deutschen Beispiele bei 35.000 bis 40.000 Kraftfahrzeugen pro Tag liegt. “Damit sind sie leistungsfähiger als der zweistreifig befahrbare Kreisverkehr”, sagt Haller. Diese Werte beziehen sich auf Turbo-Kreisel mit einem Außendurchmesser von 45 bis 70 Metern, die eine Fahrstreifenbreite von 5 bis 6 Metern haben.

Kein Wunder also, dass Haller erwartet, die Anzahl der Turbokreisverkehre in Deutschland werde stetig ansteigen. Einen Vorbehalt hat er aber auch: “Ein Erfolgsmodell werden Turbokreisverkehre in Deutschland erst, wenn – wie in den Niederlanden – Entwurf und Betrieb besser zusammenpassen.”